Januar 25, 2012

The Magic of „What Happens Next?“/ Die Magie des „Und dann?“

The first lesson about storytelling i received from my teachers was: Never write: „And then …“. But … As somebody said:

„One good slogan can stop thinking for centuries.“

So this thesis was all wrong. I realized, late, that this „What happens next?“ is nothing else but the core of storytelling.

My teachers prevented me, good intentions acknowledged, from storytelling because he or she (i don’t remember) tried to teach good style first. That the examples of the „great poets“ may destroy talent too, they did not thinking of. So it happened that I myself learned the most of my storytelling out of trivial literature. And I found out, that the best writers wrote not because but contrary to the influence of teachers.

The chain of events, forming a chain of cause and effect is the structure of a story. It don’t have to be a good story. Cause and effect don’t even have to be connected or logical. But if your telling of events coerce somebody to ask: „And what happens next?“, you are  telling a good story! Look at Kermit the frog:

The expected chain of events produces the suspense every story needs. The happening of the unexpected produces the joke.


Die erste Lektion über das Geschichtenerzählen, welche ich von meinen Lehrern empfing, war: Schreibe nie: “Und dann …“. Aber, wie jemand sagte:

„Ein guter Slogan kann das Denken für Jahrhunderte aufhalten.“

So, auch diese Lehre war also falsch. Mir wurde klar, sehr spät, dass dieses „Was kommt als Nächstes?“ nichts anderes ist als der Kern des Erzählens.

Meine Lehrer hielten mich damit, sicher mit guten Absichten, vom Geschichtenerzählen ab, weil sie versuchten, zuerst guten Stil zu lehren. Dass die Beispiele der „großen Dichter“ Talent auch zerstören können, daran hatten sie wohl nicht gedacht.
Ich habe für das Schreiben auch später am meisten aus der Trivialliteratur gelernt. Die Kette von Ereignissen, welche eine Kette von Ursache und Wirkung bilden, bilden die Struktur einer Geschichte. Es muss nicht eine gute Geschichte werden. Ursache und Wirkung müssen noch nicht einmal verbundenen oder logisch sein.
Aber wenn ihre Erzählung von Ereignissen jemanden zwingt zu fragen: „Und was ist als nächstes passiert?“, dann erzählen sie eine gute Geschichte!
Schauen Sie sich Kermit den Frosch an: Die erwartete Kette von Ereignissen erzeugt die Spannung, welche jede Geschichte braucht. Das Geschehen des Unerwarteten erzeugt den Witz.
Januar 15, 2012

Atheismus

Ich werde immer mal wieder gefragt, ob ich denn auf Grund meiner marxistischen Herkunft Atheist wäre oder Ähnliches.

Manchmal behaupte ich dann, ich sei Hegelianer oder ich gebe verwirrende Auskünfte, denn diese Form der Parteinahme steht meinem Verständnis von Wissenschaft entgegen.

A-Theisten sind nach der Namensgebung Nicht-Theisten. Theisten sind Menschen, welche für irgendwelche Ereignisse oder Sachverhalte eine Instanz einführen, welche sie mit dem Wort Gott (Theos, Deus oder ähnlich) bezeichnen. Diese Instanz wird als verantwortlich, begründend, Ursache und Antwort auf alle Fragen, welche geglaubt werden muss bestimmt. Statt einer Begründung erhalten wir einen Universalnamen.

Aus dem Blitz wird Zeus, aus der Liebe Amor, aus der Mütterlichkeit Hera, aus der Schönheit Aphrodite und so weiter.

Statt einer Erklärung erhalten wir eine Benennung, welche wie eine Erklärung klingt: „Was ist der Donner nach dem Blitz? Es sind die Götter die Kegel spielen und die Kugel rollt.“

Diese Nominalisierung ist die einfache, am Alltagserfahren orientierte Antwort auf alle komplizierten Fragen und deshalb, besonders beim „einfachen Volk“ sehr beliebt, da damit das schmerzhafte Denken eingeschränkt werden kann. Es ist immer angenehm, einen Schuldigen (Verantwortlichen, Mächtigeren als mich) zu finden, welcher nicht mit mir identisch ist. So brauche ich für meine Handlungen auch keine Verantwortung zu übernehmen.

A-Theisten wehren sich gegen diese für sie unzumutbare Einschränkung des Denkens, vor allem indem sie behaupten, dass es Gott oder die Götter nicht gäbe. Die nominalisierende Antwort auf wissenschaftliche Fragen reicht ihnen nicht.

Besonders in Staaten mit einer starken religiös-fundamentalistischen Bevölkerung und Regierung wie Indonesien kann das für sie gefährlich werden.

Daraus ist historisch die Philosophie entstanden und Philosophie entsteht immer wieder neu aus der Kritik an Religion und Theismus.

Ich sehe aber durchaus die Existenz eines Etwas (Dieses, da), welches von Menschen mit dem Wort Gott bezeichnet wird. Ob diese Existenz Stoff oder Information ist, das ist eigentlich die wirkliche Frage. Dass sehr selten nach der Existenzweise von Göttern gefragt wird, aber sehr oft deren Existenz überhaupt in Frage gestellt wird ist typisch für einen vulgärmaterialistischen Ansatz, welcher Existenz nur als stofflich-materiell vorstellen kann. Aber auch Gedanken, Ideen, Glaubensgebilde existieren. Existenz hat etwas mit Wirkung zu tun. Was wirkt, ist wirklich, was Wirklichkeit hat, existiert. Es existiert vielleicht nicht unbedingt objektiv real, aber es existiert real.

Wenn also Atheismus bedeutet, die Existenz Gottes oder von Göttern zu leugnen, so bin ich kein Atheist.

Januar 10, 2012

Renitenz

Renitente Personen können nervig sein. Ihr Widerstand scheint im Unterschied zu anderen Formen von Widerstand unbegründet oder zumindest unverständlich. Besonders der Widerstand sehr junger und sehr alter Menschen gegen die das Aufdrängen fremden Willens wird mit diesem Wort bezeichnet. Bei Renitenz scheint es sich um einen Widerstand um des Widerstands willen zu handeln. Renitenz ist somit wohl eher eine Kunstform als ein Verhalten.


Genauer betrachtet gibt jedoch die Verwendung des Wortes „Renitenz“ für das Verhalten anderer Menschen eher Auskunft über die Verfassung des Rezipienten als der renitenten Person selbst.
Mit der Verwendung des Wortes bekennen die Rezipienten des Verhaltens, dass sie den Widerstand nicht verstehen und somit ablehnen.

Januar 2, 2012

Küchenphilosophen

Küchenphilosophie, Küchenpsychologie, Küchenlatein – das sind Bezeichnungen, mit denen sich die „Experten“ von den Laien topologisch unterscheiden wollen. Diese Bezeichnungen sind deshalb auch in der Regel abwertend gemeint.

Im Unterschied zum gemeinen Volk findet das Latein, die Psychologie oder die Philosophie der Experten das Katheder, das Büro, das Labor als ihren Ort angemessener.

Dabei ist die Überprüfung des Ernährungsverhaltens oft der erste Schritt zur Kontrolle des Lebens überhaupt. Alle Religionen und einige Philosophien beginnen mit Veränderungen beim Essverhalten. Zum Beispiel mit einer Entscheidung zu vegetarischem oder veganem – ungewohntem, scheinbar mangelhaftem, unnormalem – Essen. Das Verlassen der Norm im Alltag erlaubt es offensichtlich, normiertem Denken und Fühlen leichter zu entgehen.

Küchenphilosophen sind keine Stammtischphilosophen, schon weil sie sich ihr Essen selbst machen.

Ich bekomme immer wieder die Fragen gestellt: „Was esst ihr eigentlich?“ und „was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Antworten dazu gibt es im Buch Küchenphilosophen.

November 7, 2011

Gott sei ein Lemma

In einem früheren Artikel habe ich das Verhältnis von Glauben und Wissenschaft diskutiert. Heute hatte ich die Gelegenheit, diese Frage an einen Mathematikprofessor zu stellen: „Was unterscheidet Mathematik von Religion?“ Die Antwort war, wie ich erhofft hatte, zufriedenstellend.

Beide verwenden Axiome zur Begründung ihrer Schlussfolgerungen, beide gründen sich auf nicht beweisbare Grundannahmen.

Der Unterschied liegt im Verhältnis zur Wahrheit. Die Mathematik und mit ihr alle Wissenschaft weiss, dass sie auf Axiomen basiert. Sie gibt sich gar nicht erst die Mühe, die Axiome beweisen zu wollen. Wichtig für die Wissenschaft ist, dass das „Wenn –> dann“ eine Tatsache darstellt, welche beobachtbar ist, zu Wirkungen führt, technisch verwertbar ist u.s.w. Wenn ein Axiom nicht zu Schlussfolgerungen führt, welche in der Wirklichkeit Entsprechung haben, wird es verworfen oder modifiziert. Lemmata gar werden wie Leitern nur eingesetzt um wieder herausgerechnet zu werden.

Mathematik beweist nicht Axiome, sondern die Herleitung von Schlussfolgerungen aus Annahmen. Wahrheit liegt in der Schlüssigkeit, Eindeutigkeit und Einfachheit dieser Schlussfolgerungen.

Wenn 1=1 dann 1+1=2. Das ist Wahrheit. Denn es sagt auch: Wenn nicht 1 dann nicht 1+1=2. Solche Gegebenheiten wie 0 oder ∞ sind eben nicht 1. Deshalb ist 0+0≠2×0 und 1∞+1∞≠2∞.

Religion dagegen behauptet, dass sie auf einer Wahrheit beruht, welche selbst nicht erforscht werden darf (Dogma) oder kann (Unerforschlichkeit, Credo Quia Absurdum). Auch wenn Schlussfolgerungen, welche aus diesen Axiomen gezogen werden, falsch sind, werden die Axiome nicht verändert. Die Tatsache, dass die Gottesvorstellung durchaus von einfacher Anbetung von Dingen hin zur immateriell geistigen Substanz entwickelt wurde, belegt hier nicht das Gegenteil. Es handelt sich zwar um eine Anpassung des Axioms, aber nicht um die Kritik des Axioms selbst.

Deshalb ist die Wissenschaft immer der Religion vorzuziehen, deshalb ist Wissenschaft eine Freundin der Philosophie, und deshalb ist die Religion immer letzten Endes eine Gegnerin der Philosophie.

Und deshalb ist die Mathematik keine Religion.

August 4, 2011

Gewusstsein und Bewusstsein

Ein wichtiges Hindernis beim Lernen ist der Unterschied, der Abstand, der sich zwischen Gewusstsein und Bewusstsein auftut. Hegel hat in der Phänomenologie des Geistes auf diesen Unterschied aufmerksam gemacht.

Die sinnliche Wahrnehmung gibt uns nur den Schein des Wissens, das Gewusstsein: „Ich weiss schon, erzähl mal was Neues! Hab ich schon gesehen“. Tourismus basiert auf diesem Effekt. Pekings Verbotene Stadt zu sehen und Pekings Verbotene Stadt zu erleben, sind zwei unterschiedliche Sachverhalte.

Die Angst vor der Mühe, welche die Erzeugung von Wissen bereitet, treibt Menschen dazu, bei der Gewusstheit zu bleiben, damit kann ebenso beeindruckt werden, Dr. Allwissend ist ein geachteter Mann, auch wenn er (oder auch Sie) nicht viel nützliches Wissen anbieten kann. Unsere Medien sind voll von solchen Leuten.

Mir geht es bei einigen Veranstaltungen mit Žižek oder  Sloterdijk so: Während ich ihnen zuhöre, bin ich begeistert, bin ich beeindruckt und überwältigt von der Wissensfülle dieser Menschen. Aber schon unmittelbar nach der Veranstaltung ist da nicht mehr viel. Und Veränderungen? Handlungsfähiges Wissen? Noch weniger. Vielleicht ist das ja bei Ihnen anders … Es reicht mir einfach nicht, nur zuzuhören, ich muss die Bücher dieser Leute lesen, ihre Quellen studieren, sehen, was ich für mich herausziehen kann, sie mir aneignen.

Menschen neigen dazu, Sachverhalte, „von denen sie schon mal gehört haben“, von denen sie also wissen, schon wie bewusstes, sprich handlungsfähiges Wissen zu akzeptieren und weiteres Forschen in Bezug auf dieses Wissen einzustellen. Ihr Bedürfnis nach sicherem Wissen lässt sie nicht nur unnötiges Wissen anhäufen, sondern auch sich mit dem Gewusstsein von Sachverhalten zufrieden zu stellen. Menschen neigen dazu, immer Neues zu fordern. In einer Medienwelt, in der jeder Mensch einfachen und sofortigen Zugang zum Schönsten, Schnellsten, Größten, zu allen Sehenswürdigkeiten und Wissensschätzen hat, ohne sich aus dem Fernsehsessel heraus bemühen zu müssen, verliert das mühselige Erringen von Wissen und noch mehr die Umsetzung des Gewussten in handlungsfähiges Wissen schnell an Wert.

Wissen und Glück sind das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt. Was aber geteilt wird, verliert dadurch an Wert, so wie die Produkte der Massenproduktion. Aber genau deshalb ist Wissen auf dem Markt unterbewertet. Einmal gewonnen, lässt es sich einfach vervielfältigen, konsumieren und verbreiten.

Brücken zum Übergang zwischen Gewusstsein und Bewusstsein sind Labilisierungstechniken, sind Verwirrung, Sinnestäuschungen, Widersprüche, Aporien, Paradoxa und das Koan.

In einem guten Seminar wird nicht nur Gewusstsein, Wissen, sondern handlungsfähiges Wissen vermittelt. Dafür lohnt es sich dann auch wieder , sich 10 Jahre mit einem Gedanken zu beschäftigen. Dafür legen Sie, liebe Kunden, ihr Geld sinnvoll an.

Diesen Artikel zu schreiben, zum Beispiel, kostete mich etwa eine Stunde. Wie lange brauchen Sie, liebe Leserinnen und Leser, ihn zu lesen? Wie lange, um den Text zu kopieren und in ein eigenes Dokument einzufügen? Was müssen Sie tun, um das hier gespeicherte Wissen in eigene Handlungen umzusetzen?

Sehen sie?

Juli 22, 2011

Logisches und Historisches

Es gibt zwei wesentliche Grundformen des Lernens: Das Logische und das Historische. Die ältere Form ist die historische Form, als Erzählung, Geschichte, Mythos, Bericht, Nachricht, Sage, Kunde, überbracht von oder im Namen von Autoritäten. Erzählt werden Aussagen aus der Erinnerung, so wie die Erzähler es in ihren jeweiligen Sprachräumen, inneren Bildern, Symbolsystemen gefangen ausdrücken konnten. Dabei mischten sich oft Wahrheit, verfälschte Erinnerung, Lüge und Erfindung so sehr, dass Gewissheit ganz verschwand. Die Notwendigkeit der möglichst sicheren Erfahrungsübermittlung über Jahrhunderte hinweg erforderte besondere Techniken des Lernens. Der Kern des historischen Lernens ist deshalb das buchstabengetreue Auswendiglernen, das Pauken, die Wiederholung. Auf diese Weise sind alle Bücher der Weltreligionen, Märchen, Sagen, aber auch Großmutters Rezepte und Großvaters Handwerkskunst von Generation zu Generation übermittelt worden. Die Lehrtechnik: Vormachen – Nachmachen – Kontrollieren gilt auch heute noch an den meisten berufsbildenden Schulen vor allem bei Ausbildern als Erfolgsrezept. Diese Methode verbürgte die möglichst fehlerfreie Übermittlung von Wissen von einer Generation an die andere. Die Anerkennung durch die Autoritäten ist die höchste Motivation für das Lernen nach der historischen Methode.

Etwa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung fokussierte sich bei den ersten Philosophen in Milet, aber auch in China mit Konfuzius und Laotse die Form der Informationsübermittlung und -strukturierung auf die Logik, die Zusammenhänge zwischen den Tatsachen, wie sie sich aus dem Spiel von Notwendigkeit und Zufall ergeben. Der einfache Bericht „So war es!“ wurde nicht mehr nur geglaubt, wie üblich, sondern zunächst bezweifelt, es wurden Täuschungen aufgedeckt und es entstand das Bedürfnis, über diese Berichte nachzudenken, das Gehörte auszulegen und zu diskutieren. Diese logische Form ist die Basis der Moderne und des modernen Lehrens und Lernens. Sie gilt als wissenschaftlich, exakt und nachprüfbar, mithin als wahr. Aussagen entstehen aus Aussagen durch Ableitung. Der Gipfel dieser logischen Form ist das wissenschaftliche Gesetz, die Formel, der Lehrsatz mit seinen Beweisen, aus der die Welt konstruiert werden konnte, ihre reinste Form ist die Mathematik und die Geometrie. Wenn die Bedingungen einer Sache gegeben sind, tritt sie in Existenz. Das pädagogische Äquivalent ist das selbständige Herausfinden von Zusammenhängen auf Grund von vorgegebenen Bedingungen. Die Lehrkräfte stellen Lernsituationen, Baukästen, Lernräume zur Verfügung, die Lernen ermöglichen und erzwingen. Ein Beispiel ist der Elektro-Baukasten und ein Plan, aus dem sich die richtigen Lösungen zwingend ergeben. Das eigene ästhetische Erleben der Erhabenheit und Schönheit der damit erlangten Wahrheiten in Folge des Selbst-Machens, der Selbst-Entwicklung und des Selbst-Entdeckens ist die höchste Motivation für das Lernen nach der logischen Methode.

Mai 22, 2011

Chinesisch essen


Es gibt engstirniges Denken und es gibt engstirniges Essen. Ist vegetarisches oder veganes Essen ein Essen „ohne Fleisch“, also ein mangelhaftes, ein engstirniges Essen? Nein, Fleisch ist einfach nicht nötig. Zu glauben, dass Fleisch oder Fisch das eigentliche Essen ausmachen und Gemüse nur Beilagen sind, ist eine der herrschenden Engstirnigkeiten, welche die Vielfalt des Essens beschränken.

Wenn Fleisch erst gejagt werden muss, ist es selten auf dem Tisch, gilt also als Zeichen von Wohlstand. Fleisch und Fisch war ursprünglich die Ausnahme, die Beilage. Jetzt kann Fleisch jederzeit überall und „dank“ der Massentierhaltung billig gekauft werden, ohne Jagd und ohne Anstrengung. Deshalb ist es eher ein Zeichen von Armut, viel Fleisch zu essen. War der Hirsebrei und die Kartoffel das typische Armeleuteessen, ist vegetarisches und veganes Essen in unserer Zeit eher ein Zeichen von Hochkultur. So verändern sich die Zeiten.

Es gibt viele Vorurteile zu vegetarischem Essen. Wir bekommen immer wieder die Frage gestellt: „Was esst ihr eigentlich?“ Antworten dazu gibt es nicht nur im Buch „Küchenphilosophen“, sondern auch jetzt öfter auf dieser Seite:

Heute also habe ich Sechuan Tofu und grünen Spargel mit geröstetem Sesam, Tatsol in Knoblauch gebraten, dazu Reis, Sojasosse und Ingwer als Abendessen bereitet.

Alles ist schnell fertig und sehr lecker. Besonders schmackhaft ist der grüne Spargel, der nicht weichgekocht, sondern nur im Wok angebraten wird.

Es ist ein Vorurteil, dass Gemüse nur eine Beilage und Tofu geschmacklos ist.

Nur die Abwaschfrage ist nicht geklärt – bleibt wohl wieder an mir hängen. Das ist der Fluch der Emanzipation ;-)

April 18, 2011

Kapitalismus ist ein Naturprozess

Es gibt einen Text, der in seltsamer Weise von marxistischen Klassenkämpfern wie von Feinden des Marxismus immer wieder übersehen oder ignoriert wird:

„Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.“ Karl Marx. Das Kapital. Band 1. Vorwort zur ersten Auflage. (Hervorhebungen von mir)

Mit diesem Satz im Kopf ist ein Kampf gegen die Kapitalisten als Personen und den Kapitalismus als System unter der Flagge des Marxismus nicht möglich!

Friedrich Engels hat sich gerne als Baumwollfabrikant im Ruhestand bezeichnet und Marx selbst hat mitunter in sehr unfeinen Worten über Arbeiter gesprochen.

Das wird heute immer mal wieder zitiert, um beide moralisch in Misskredit zu bringen oder über sie Witze zu machen.

Aber lassen Sie doch mal diese Worte in etwas anderer Formulierung auf sich wirken:

Kapitalismus ist eine naturwüchsige Gesellschaft. Kapitalismus entsteht, wenn die Menschen NICHT bewusst und planmässig handeln, wenn sie NICHT vordenken. Kapitalismus ist genau so natürlich wie Blumenwiesen, Sonnenbahnen, Vulkanausbrüche, Erdbeben und die Cholera.

Um so alberner ist es, wenn selbsternannte Marxisten den Kapitalismus immer noch als (Schweine-) System darstellen, gegen das zu kämpfen ist. Genau so albern und besonders gefährlich ist es, wenn statt gegen das Kapital gegen Kapitalisten gekämpft wird. Bill Gates, so schreibt Marx es schließlich an prominenter Stelle, ist ein Geschöpf des naturgeschichtlichen Prozesses Kapitalismus, auch wenn er sich durch seine Metaüberlegungen und durch sein humanistisches Engagement über den Kapitalismus erheben mag.

Ein Kapitalist ist ein Agent, ein Beauftragter des Kapitals, der Welt der Sachen. Kapitalisten sind nur gefährlich, für uns alle und für sich selbst, wenn sie ohne Überlegung und Rücksicht auf die Welt der Menschen handeln und damit unsere Existenz und die Existenz anderer Menschen gefährden.

Der Kapitalismus ist NICHT MENSCHENGEMACHT! Ein Kampf gegen die Auswirkungen des Kapitalismus, welche für die Menschheit gefährdend sind oder irgend jemandem nicht passen, muss geführt werden, wie Wissenschaft und Ingenieurtechnik sich gegen Auswirkungen der Natur, welche die Menschheit gefährden oder irgend jemandem nicht passen, wehrt: Durch den Einsatz von Vernunft und Verstand, durch planmässiges Handeln auf der Grundlage der Einsicht in die Naturgesetze, oder, wie Heraklit schreibt:

„Richtiges Bewusstsein ist die größte Tugend, und Weisheit (ist es), Wahres zu sagen und zu handeln nach der Natur, auf sie hinhörend.“

Gegen „den Kapitalismus“ zu kämpfen ist genau so albern, wie „gegen die Natur“ zu kämpfen.

Es lohnt in diesem Zusammenhang durchaus, darauf zu achten, wer Losungen wie: „Sieg über die Natur“ oder „Herrschaft über die Natur“ benutzt. Und es lohnt sich auch, an Goethes Sentenz zu denken:

„Denn jeder der sein innres Selbst nicht zu regieren weiß, regierte gar zu gern.“ (Goethe. Faust 2. Teil. Klassische Walpurgisnacht. Erichtho)

September 22, 2010

Dogma und Skepsis

Jörg stellt fest: „Der Zweifel ist ein Geisteszustand, in dem wir uns unwohl fühlen.“
Darauf reagiert Aspasia ziemlich allergisch:
„Vorsicht bitte mit solchen Verallgemeinerungen. Wer ist dieses Wir? Jemand hat mal gesagt: ‘Das Wir sollte Leuten mit gespaltenen Persönlichkeiten oder mit Bandwürmern vorbehalten bleiben!’
Descartes zum Beispiel fühlte sich mit seinem Wahlspruch An allem ist zu zweifeln! sehr wohl. Auch Marx hat diese Haltung zu seinem Wahlspruch gemacht.
Wir und Man sind universelle Individuen, deren Verwendung unterschiedliche Meinungen verhindern kann.“
Paul ergänzt: „Die Bewegung von der Verteidigung einer These durch den Dogmatiker zum Zweifel an einer These durch Aufstellen einer Gegenthese durch den Skeptiker und der Modifikation der ersten Verteidigung zu einer Negation der Negation ist von Hegel als die Bewegungsweise des menschlichen Denkens ausgemacht worden. Der Zweifel ist demnach eine Stufe des Denkens.“

Das gefällt Diotima: „Das Wort Überzeugung enthält schon den Über – Zeugen, der das eine Zeugnis verändert, über-zeugt und damit von Überzeugung zu Überzeugung wandert,  also selbst ein Ergebnis des Zweifels ist. Skeptizisten, welche auf dem Zweifel und Dogmatiker, welche auf ihren Überzeugungen herumreiten, verhalten sich zueinander wie Figuren auf einem Schachbrett, welche sich entweder nur auf den weissen oder den schwarzen Feldern fortbewegen. Sie werden sich nie treffen und auseinandersetzen können. Für eine freie Bewegung, wie sie dort der Königin erlaubt wird, sind jedoch alle Felder erforderlich. Skepsis und Dogma sind jeweils Stufen auf der Treppe der wissenschaftlichen Erkenntnis.“

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